Dehnungshaltung, oder was?

...ich in meinen "Experimenten" erfahren, gesehen, gefühlt habe.
( Mir stellen sich beim Beobachten von Reitern und Pferden oder bei mir selbst Fragen/Probleme, dann beobachte und vergleiche ich, stelle Thesen auf suche Lösungen und versuche, bis sich ein Ergebnis einstellt, aus dem sich dann meisten viele neue Fragen ergeben.)

z.B. wenn es um die Dehnungshaltung geht.
Was ist das überhaupt? Wenn es d a s Mittel der Wahl ist, warum sehe ich es dann fast nie? Oder nie so, wie es sein soll?


Ich sehe, dass Man/Reiter häufig meinen bei der Dehnungshaltung geht es darum, dass das Pferd seinen Kopf runter nimmt und vorwärts geht, müssten dann aber nicht alle Weidepferde einen super bemuskelten Rücken/Hals, mit toller Hinterhand, im Sinne eines Dressurpferdes haben? Haben sie aber nicht.

(Obwohl manche Pferde, die wenig geritten auf der Weide stehen,
besser bemuskelt sind als gerittene "Dressurpferde")

Wenn ich Reiter beobachte, die ihr Pferd in Dehnungshaltung reiten, sehe ich, dass die Pferde sich auf der Vorhand abstützen.

Sie werden zum Teil jahrelang so geritten, ohne dass sich wirklich "etwas tut."

Die Pferde haben immer noch einen schwachen Rücken, wenn nicht sogar schlimmer noch, dass die Rückenmuskulatur abnimmt.

Meiner Beobachtung nach oft im Bereich seitlich
des Widerristes und des Halsansatzes, die Hanken werden nicht mehr
"durchgebeugt", die Pferde machen "das Maul nicht mehr auf", das Genick wird fest gehalten (können Pferde wohl Kopfschmerzen habe? durch  Verspannung im Genick?

Bei so einigen Pferden, denen ich in die Augen schaue wird mir Angst
und Bange bei der Frage) und die Pferde fangen vorne oft an zu stolpern.

Wie kann das sein, wenn die doch dressurmäßig gearbeitet werden?

Da kann etwas nicht stimmen!
Ich habe angefangen das Pferd/die Pferde in seine Mitte zu bringen, das gibt ihm die Möglichkeit, die Gewichtung auf die Beine zu verändern.

Das Pferd hat angefangen den Hals aus der Basis aufzurichten und auch da zu tragen.
Das Brustbein hebt sich, ( und nicht das Genick festzumachen um den Kopf damit festzuhalten)
 Das Pferd "öffnet" sich nach vorne oben. und nimmt so eine andere Haltung (äußerlich wie innerlich) ein.
Wieso sehe ich so wenig Pferde, sie so geritten werden?

Was ich immer wieder beobachte ist, dass alle Bemühungen im "Hals stecken bleiben".
Ich habe mich also auf die Such nach den Ursachen gemacht.

Dabei habe ich herausgefunden, die Erfahrung gemacht, dass das "Übel" häufig vor/unter dem
Widerrist (aus der Sicht des Reiters) zu suchen ist. Ich habe also
angefangen diesem Bereich mehr zu mobilisieren und zwar dadurch, dass ich
das Pferd dazu veranlasst habe immer wieder sein Gewicht von einer Schulter auf die andere zu verlagern, Mal Innenstellung nach innen mal in Innenstellung nach außen und umgekehrt und geschaut/gefühlt, wie das Pferd darauf reagiert und was es dann tut.
Ich habe dann zum ersten Mal gefühlt, was es heißt, wenn ein Pferd sich biegt!, es die eine Seite hohl macht und die andere Seite sich dehnt, das
Pferd den Hals von der Basis hebt, das Genick wird frei und sich zugleich
auch die Hinterbeine mit einbeziehen, das Pferd für sich zum ganzen wird.
Bei dem Pferd stellt sich eine Haltung ein, die mich trägt, Ich hatte das
Gefühl ich sitze auf einem ganzen "Pferd", nicht nur Kopf und Hinterhand.
Wie soll ich es sagen, ich hatte das Gefühl, das Pferd wollte mich auch
tragen und mir auch zeigen, was es kann.
(Auf der Suche nach den anatomischen  Zusammenhängen, bin ich auf ihre Seite
gekommen)
Von außen betrachtet, jetzt über einen längeren Zeitraum, hat das Pferd seinen Widerrist angehoben und "aufgefüllt".
Das Pferd kann das aber nur, wenn der Reiter auch mitmacht!
Wenn der Reiter auch auseinandergefallen, nicht aufgerichtet und nicht in
seiner Mitte ist, kann er nicht so auf dem Pferd sitzen, das es ihm eine
solche Haltung vermitteln und möglich machen kann.
Bei den Reitern mit denen ich anfange zu "arbeiten" stelle ich immer fest,
dass sie sich über ihre Anatomie, ihrer Stellung ihrem Innen und Außen nicht
bewusst sind. Wenn ich mir als Reiter aber nicht darüber bewusst bin was ich
tun muss um bestimmte Reaktionen, Dinge oder Stellungen zu erreichen, wie
soll er dann das Pferd gymnastizieren können?
Wenn ich komme, gehe ich mit dem Pferd erst einmal einige Runden, damit ich
weiß, wie es ihm geht. Ab dem Zeitpunkt folgt mir das Pferd. Oft haben die
Reiter dann die Schwierigkeit es von mir weg zu reiten. Was ist das?
Inzwischen bin ich der Ansicht, dass das daher rührt, weil ich durch das Tai
Ji innerlich klar und ausgerichtet bin, so dass Pferd weiß, mit wem es zu
tun hat und sich mir gerne anschießt.
Ich frage die Reiter woran sie arbeiten möchten. Oft bekomme ich dann zu
hören: Dieses oder jenes kann das Pferd nicht (Seitwärtsgänge, vom Fleck antraben...) Wenn ich mich dann auf das Pferd setzte gelingt es dann
meistens, ohne große Schwierigkeiten und Kraftanstrengung (Pferde kann man sowieso nicht mit Kraft reiten, ein Pferd zuckt mit seiner Haut, wenn sich eine Fliege auf sein Fell setzt, wie viel Kraft brauche ich da wohl als Reiter?). die Reiter sind verblüfft.
Ich versuche dann zu erklären, was ich mache und ich sage dann oft: "Ich tue
ohne zu tun!"

Ich  "höre" in das Pferd hinein, warte, habe eine Intention, warte und lasse
das Pferd reagieren und ausprobieren, es kommt zu einem Dialog. Ich stelle
also mein Ego nicht über das des Pferdes und lasse es machen. Das macht
Reiten "einfach", das Pferd macht die Arbeit und ich sage nur, auf was es
achten soll/kann.
Es macht auch einen Unterschied in welcher "Stellung" sich das Pferd
befindet. Habe ich es mit einer Leitstute zu tun oder mit einem in der
Hierarchie weiter unten stehenden Pferdes. Der Dialog, die Stärke der
unausgesprochenen Worte und die innere Kraft, die ich brauche sind da verschieden.

Das neuste "Experiment":  Beim Longieren (mit Kappzaum oder Kontenhalfter, sonst ohne alles)bringe ich die Pferde auch in ihre Mitte, ich weise ihnen sozusagen den Weg. Ich tue dass in dem ich auch in meine Mitte komme, mich
aus- und aufrichte, dadurch werde ich Eins. besonders deutlich wird das,
wenn ich das Pferd dazu veranlassen möchte vom Galopp durchzuparieren. Ich sinke in mein "hinteres" Bein, gebe mir sozusagen selbst eine halbe Parade
und siehe da, das Pferd pariert prompt durch.
Bei allem was ich mit dem Pferd tue ist auch der Takt/Rhythmus des  Pferdes
zu beachten. Mich darauf einzulassen. Sehr schön zu sehen, wie Pferde dann
entspannt und doch kraftvoll arbeiten. Auch nach langer Arbeit nicht aus der Puste sind und nicht durch und durch verschwitzt sind.

Wenn ich an irgendeiner Stelle drehe, wird das eine Auswirkung auf das ganze
System Reiter/Pferd habe. Gut zu wissen ist es was ich möchte um dann das
richtige Rad zu drehen, zu beobachten was ich nicht weiß und was ich weiß auch so zu benutzen. Vor allen Dingen und ganz besonders das Pferd machen zu lassen und von ihm zu lernen.

Immer die richtigen Worte zu finden fällt mir nicht so leicht. Für die
vielen Dinge die ich so wahrnehme und tue gibt es auch für mich manchmal
nicht die richtigen Worte, es ist so komplex, dass ich viele Dinge einfach
zugleich beschreiben müsste, manches lässt sich vielleicht auch nur
erfühlen.
Manchmal bin ich so überwältigt von der Verbundenheit, die sich einstellt
und der Freude und dem Glück der Reiter, wenn sie anfangen zu Spüren, dass
dann manchmal die Frage im Raum steht: bilde ich mir das vielleicht nur ein?
Was, wenn meine Theorien gar nicht so sein können?
Wenn es dann Menschen gibt, die ähnliches oder das selbe erleben und sich
ähnliche/die selben Gedanken machen und dann auch noch so darstellen können
und ich dann weiß, warum es so ist, bin ich einfach dankbar, weil die
Selbstzweifel bis zum nächsten Mal nachlassen.
Ich trage ja auch immerhin eine Verantwortung mir, dem Pferd und dem Reiter
gegenüber, der sich durch die Beschäftigung mit sich selbst ja auch
entwickelt ( auch in seiner Persönlichkeit).

www.trumpke.de
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